{"id":197,"date":"2014-09-25T21:55:04","date_gmt":"2014-09-25T19:55:04","guid":{"rendered":"http:\/\/gabrielesenft.de\/gabiistisch\/?p=197"},"modified":"2025-03-20T23:37:58","modified_gmt":"2025-03-20T21:37:58","slug":"ab-07-10-2014-ausstellung-im-cafe-sibylle-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gabrielesenft.de\/gabiistisch\/ab-07-10-2014-ausstellung-im-cafe-sibylle-berlin\/","title":{"rendered":"Wo auch immer wir wohnen&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\">Ausstellung im Caf\u00e9 Sibylle, Berlin, Oktober 2014<\/h1>\n\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 600;\">\u00bbWo auch immer wir wohnen <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">unser Gl\u00fcck auf dem Frieden beruht.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">hei\u00dft es im Weltjugendlied.<\/p>\n<p>Diese Ausstellung will ein Zeichen der Hoffnung setzen, dass ein friedliches Miteinander unter den V\u00f6lkern m\u00f6glich ist, weil wir im Alltag die gleichen Sorgen haben, uns \u00fcber die gleichen Sachen freuen. Uns verbindet Musik, auch die Fotografie, die Solidarit\u00e4t, <span style=\"font-style: italic;\">\u00bb&#8230; uns vereint gleicher Sinn, gleicher Mut.\u00ab <\/span><\/p>\n<p>Die herrschende R\u00fcstungsindustrie wird immer neue Begr\u00fcndungen ersinnen, uns bel\u00fcgen und neue Krisenherde sch\u00fcren, um ihre ausgekl\u00fcgelten Waffen einsetzen zu k\u00f6nnen. Kriege weltweit, treiben immer gr\u00f6\u00dfere Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me auch zu uns. Uns blutet das Herz, wie diese dann hier kriminalisiert werden, damit sie uns fremd bleiben. Wir m\u00fcssen erkennen, dass uns das gleiche Schicksal treffen kann.<\/p>\n<p>Wut und Trauer, Protest und Hilflosigkeit, Rachegedanken und Angst. Alles verst\u00e4ndliche Reaktionen.<\/p>\n<p>Jedoch Solidarit\u00e4t und Verst\u00e4ndigung mit Gleichgesinnten muss das Wichtigste bleiben.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen den Traum von der Verwirklichung einer gerechten, friedlichen Welt nicht aufgeben und nicht nachlassen, unser M\u00f6glichstes daf\u00fcr zu tun.<\/p>\n<p>Das Weltjugendlied erklang das erste Mal 1947 bei den ersten Weltfestspielen in Prag. In vielen Sprachen gesungen, mitunter gleichzeitig in verschiedenen, dr\u00fcckte es immer die Hoffnung und den Willen aus, Krieg von der Erde zu verbannen.<\/p>\n<p>Einer der bewegendsten Momente f\u00fcr mich, in denen dieses \u00bbJugend aller Nationen\u00ab gesungen wurde, war im April 1999 mitten in Belgrad im Ta\u0161majdanpark. In der Nacht zuvor hatte die NATO den staatlichen RTS-Sender mit Bomben zerst\u00f6rt<br \/>\nund 16 Mitarbeiter ermordet. Wir waren mit einem Friedenskonvoi dorthin gekommen und gemeinsam mit den Einwohnern der Stadt und griechischen Kriegsgegnern sangen wir dieses Lied und lagen uns in den Armen. Trotz alledem!<\/p>\n<p>\u00bbTrotzdem bedeutet nur standzuhalten, das Weiterleben auf sich zu nehmen. Den n\u00e4chsten Schritt zu tun. Und dieses <span style=\"font-style: italic;\">\u203anur\u2039 <\/span>ist letztlich alles.<\/p>\n<p>Weil es uns das Wissen von Leben und die Bef\u00e4higung f\u00fcr das Leben zur\u00fcckgibt.\u00ab Ein Text von Erika Pluhar 2005 und auch das Lied von ihr:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 600;\">Trotzdem <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Trotzdem k\u00e4mpfen wir,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Trotzdem glauben wir,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Trotzdem lieben wir&#8230; Trotzdem!<\/p>\n<p>Freude und Ermutigung durch das Betrachten der Fotografien w\u00fcnscht<\/p>\n<p>Gabriele Senft \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Berlin, 07. Oktober 2014<\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 600;\">\u00bbWherever we live <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">our happiness is based on peace.\u00ab<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">(from the German text of the \u00bbMarch of the Democratic Youth\u00ab)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>This exhibition wants to light a beacon of hope that a peaceful togetherness of the peoples is possible, because we share the same daily sorrows, rejoice over the same things. Music connects us, photography also, and solidarity, <span style=\"font-style: italic;\">\u00bb&#8230; uns vereint gleicher Sinn, gleicher Mut.\u00ab <\/span>\u2013 <span style=\"font-style: italic;\">\u00bb&#8230; united by the same convictions, the same courage.\u00ab <\/span><\/p>\n<p>The ruling armament industry will think up ever new reasons, will lie to us and stir up trouble spots to put their sophisticated weapons to use. Wars around the world drive more and bigger streams of refugees also to us. Our hearts bleed as they are then criminalized here so that they remain alien to us. We have to realize that we can meet the same fate.<\/p>\n<p>Anger and grief, protest and helplessness, thoughts of revenge and fear \u2013 all are understandable reactions.<\/p>\n<p>However, solidarity and understanding with like-minded people must remain the most important thing.<\/p>\n<p>We must not give up the dream of the realization of a just, peaceful world and not let up doing our utmost for it.<\/p>\n<p>The \u00bbMarch of the Democratic Youth\u00ab (Weltjugendlied) rang out for the first time in 1947 at the first World Festival in Prague. Sung in many languages, sometimes simultaneously in several of them, it always expressed the hope and the will to banish war from the earth.<\/p>\n<p>For me one of the most moving moments when this \u00bbyouth of all nations\u00ab was sung was<br \/>\nin April 1999 in the heart of Belgrade in Ta\u0161majdanpark. The night before NATO had destroyed the RTS public service broadcaster with bombs and murdered 16 people. We had come there with a peace convoy and together with the inhabitants of the city and Greek war opponents we sang this song and lay in each others arms. Despite all this! (Trotz alledem!)<\/p>\n<p>\u00bb\u203aDespite all this\u2039 only means to withstand, to undertake the living-on. To take the next step. And this <span style=\"font-style: italic;\">\u203a<\/span><span style=\"font-style: italic;\">only<\/span><span style=\"font-style: italic;\">\u2039 <\/span>ultimately is everything.<br \/>\nBecause it restores the knowledge of life and the ability for life.\u00ab<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>A text by Erika Pluhar 2005 and also her song:<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 600;\">Despite all this <\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Despite all this we fight,<br \/>\nDespite all this we believe,<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Despite all this we love&#8230; Despite all this!<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p style=\"text-align: center;\">Berlin, 07. Oktober 2014<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>Rekonstruktion meiner frei gesprochenen Worte zur Er\u00f6ffnung der Fotoausstellung \u201ewo auch immer wir wohnen\u201c &#8211; und was ich noch gern gesagt h\u00e4tte am 07.10.2014 im Caf\u00e9 Sibylle:<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Es ist kein\u00a0Zufall, sie heute, am 7. Oktober zu er\u00f6ffnen, wo bis vor 25 Jahren der Tag der Republik gefeiert wurde; ich wollte heute etwas tun und mit Freunden zusammen sein, die wie ich diesen Text des Weltjugendliedes wachhalten \u2013 &#8218;wo auch immer wir wohnen, unser Gl\u00fcck auf dem Frieden beruht&#8216;. Heute m\u00fcssen wir wieder daran erinnern, denn es scheint nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich zu sein. Und es k\u00f6nnen darum einige meiner Freunde nicht hier sein, weil auch sie an diesem heutigen Tag aktiv sein wollen und es deshalb allein in Berlin mehrere Veranstaltungen gibt. Diese Ausstellung hat mehr als sonst mit mir selbst zu tun und angesichts der aktuellen Lage auch ein paar Worte: Ich hab nicht in einem luftleeren Raum in der DDR gelebt und ich steh dazu, und habe nicht vergessen und nicht verdr\u00e4ngt, wie ich dort gelebt habe. In der \u201ejW\u201c ist der Beitrag aus einer Luxemburger Zeitung abgedruckt und in ihm fand ich mich wieder, er spricht mehr Wahrheiten aus als alles, was ich zurzeit sonst in den Medien lese oder sehe, Entschuldigungen, dass es die DDR gab, Erkl\u00e4rungen, Verurteilungen oder Trotz. Aber ich bin dort aufgewachsen mit meinen Geschwistern, die heute hier sind wie auch meine beiden S\u00f6hne. Meine Eltern fingen ihren Beruf als Neulehrer an und sie haben daf\u00fcr gesorgt, dass keinerlei Nazigedankengut mehr in der Schule geduldet wurde. Sie arbeiteten und diskutierten und waren rund um die Uhr im Einsatz f\u00fcr ihre Sch\u00fcler und f\u00fcr diesen neuen sozialistischen Staat, so dass mein Bruder von uns, den beiden Schwestern, mal kategorisch verlangte, wir sollte ja nicht auch diesen so aufreibenden Lehrerberuf w\u00e4hlen &#8211; meine Schwester wagte es trotzdem, mein Bruder studierte Landwirtschaft und ich hielt das alles mit der Kamera fest.<\/p>\n<p>Die Zusammenstellung der Fotos in dieser Pr\u00e4sentation hat mit meiner jetzigen\u00a0Befindlichkeit zu tun. Ich fotografierte seit der Wende bei zahlreichen Protestdemonstrationen, ich war seit 1999 viel in Serbien, um die Situation nach dem NATO Angriffskrieg zu erfassen und die Entwicklungen seitdem zu begleiten, ich war 2003 im Irak mit einer Friedensdelegation&#8230;und begleitete einige Zeit sehr aktiv die Fl\u00fcchtlingsbewegung.<\/p>\n<p>Seit einigen Monaten war ich in Gefahr, Ausgeglichenheit und meine Lebensfreude zu verlieren ob dieser ganzen Nachrichten von Kriegen, in die wir gezogen werden, Nachrichten von immer mehr Instabilit\u00e4t weltweit&#8230;Terror, Krankheiten, Umweltkatastrophen&#8230; darum diese &#8222;Trotz alledem Ausstellung&#8220;. Ich hab mich hier auf Fotos\u00a0in Europa konzentriert, auf friedliche Begegnungen in verschiedenen L\u00e4ndern, die ich privat bereiste, ohne dass ich das Ziel\u00a0hatte, diese erfassten\u00a0Momente zu ver\u00f6ffentlichen. Alltag, Menschlichkeit an den verschiedenen Orten m\u00f6chte ich aufzeigen. Denn \u00fcberall ist sie in den Menschen, die Sehnsucht nach einem erf\u00fcllten friedlichen Alltag, die Freude an den Kindern, bei Feiern, &#8230; einfach die Sch\u00f6nheit der Welt erfassen zu k\u00f6nnen und die Menschlichkeit,\u00a0aus der wir Kraft sch\u00f6pfen, die Ermutigung durch freundliches solidarisches Miteinander und helfend etwas f\u00fcr sich selbst zu tun.<\/p>\n<p>Ein ganz aktuelles kleines Beispiel nur von heute. F\u00fcr den Eingangstext der Ausstellung suchte ich in K\u00f6penick einen copyshop, ich hatte eine Datei auf USB Stick zum Vergr\u00f6\u00dfern auf A3. Es war schwierig, denn der im Internet angegebene nahe der Bahnhofstra\u00dfe existiert nicht mehr, im Forum h\u00e4tten sie mir nur eine Kopie von einem kleineren Abzug machen k\u00f6nnen, naja&#8230; Auf der Suche geriet ich in einen winzigen Laden eines Computerfreaks, der unwirsch von seiner Bastelei aufblickte und meine Frage, ob er mir vielleicht so einen Abzug A3 machen k\u00f6nnte, zun\u00e4chst sofort verneinte. Ich fragte vorsichtig, ob er vielleicht einen copyshop w\u00fcsste, er grummelte noch ein bisschen, dann meinte er, \u201eNa geben Sie schon her.\u201c Und dann gab er sich gro\u00dfe M\u00fche, machte mir statt einem gleich drei Abz\u00fcge und wollte kein Geld daf\u00fcr. Hab ihm gern dennoch was gegeben und er versuchte vergebens, seine Freude zu verstecken.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Ausstellung versuchte ich in meinen Negativen nach Allt\u00e4glichem und wei\u00df nun, dass es sich lohnt, da sogar verblasste wieder ans Licht zu holen und mit einem besseren Scanner neue M\u00f6glichkeiten der Bearbeitung auszuprobieren und das kreative Chaos unter den heraus gew\u00fchlten Negativtaschen auf sich zu nehmen. Ich kann hier nur einen Teil dieser geborgenen Sch\u00e4tze zeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/gabrielesenft.de\/gabiistisch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/034b.-1999_04_24-Friedenskonvoi-in-Belgrad-2009-06-07-um-13-00-55.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-219 size-large\" src=\"http:\/\/gabrielesenft.de\/gabiistisch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/034b.-1999_04_24-Friedenskonvoi-in-Belgrad-2009-06-07-um-13-00-55-1024x652.jpg\" alt=\"034b. 1999_04_24 Friedenskonvoi in Belgrad - 2009-06-07 um 13-00-55\" width=\"625\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/gabrielesenft.de\/gabiistisch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/034b.-1999_04_24-Friedenskonvoi-in-Belgrad-2009-06-07-um-13-00-55-1024x652.jpg 1024w, https:\/\/gabrielesenft.de\/gabiistisch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/034b.-1999_04_24-Friedenskonvoi-in-Belgrad-2009-06-07-um-13-00-55-300x191.jpg 300w, https:\/\/gabrielesenft.de\/gabiistisch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/034b.-1999_04_24-Friedenskonvoi-in-Belgrad-2009-06-07-um-13-00-55-624x397.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Belgrad, am 24.04. 1999<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Fotos \u00a9 Gabriele Senft<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausstellung im Caf\u00e9 Sibylle, Berlin, Oktober 2014 &nbsp; \u00bbWo auch immer wir wohnen unser Gl\u00fcck auf dem Frieden beruht.\u00ab hei\u00dft es im Weltjugendlied. 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